Die Innerste schreit

Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 29.09.2009

 

HILDESHEIM. Zahlreiche Besucher haben sich auf der Wiese an der Fünfbogenbrücke versammelt. Mit der warmen Nachmittagssonne im Rücken und mit Crêpes oder Bratwurst versorgt, suchen sie sich einen Platz auf der Wiese oder auf einem der Strohballen, die rund um die kleine Bühne an der Innerste aufgebaut sind. „Herbstglühen" heißt das Stück, das hier von einer Seniorentheatertruppe vom Theaterpädagogischem Zentrum (TPZ) aufgeführt werden soll. Die idyllische Atmosphäre passt zum Stück. Es geht um Liebe. Und um Hildesheim.
Das Gerede der Zuschauer vermischt sich auf einmal mit zunächst sinnlos klingenden Sätzen. „Haben Sie zufällig Albrecht Bodenhagen gesehen?", adressiert eine verzweifelt dreinblickende Müllersfrau das Publikum. „Ich brauche Wasser, Wasser brauche ich" ergänzt eine als schillernder Fisch verkleidete und hektisch herumlaufende Frau. Dies ist der Auftakt zu „Herbstglühen". Schnell wird klar, nicht die Bühne ist die Bühne, sondern die gesamte Wiese.
In der Novelle „ Die Innerste" von Wilhelm Raabe geht um zwei Frauen, die um den Müller Albrecht Bodenhagen streiten. Die Verliererin schickt von einer Mühle in Sarstedt böse Wünsche über die Innerste zur Mühle nach Hildesheim an das Ehepaar Bodenhagen.
„Die Innerste schreit", beschreibt Michaela Neumann vom TPZ dieses Senden von Wünschen. Sie hat sechs Wochen mit den Darstellern an dem Stück gearbeitet. Die Novelle wurde in einigen Teilen verändert und um Lieder und Tanzeinlagen erweitert.
So trägt die Theatergruppe zu Beginn des Stückes im Chor „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach" vor. Wichtig war der Theatergruppe auch der Bezug zu Hildesheim und Umgebung. Neben der Innerste kommen Elze, die sieben Berge, Northeim und die Marienburg im Stück vor.
Um das Schreien bemüht sich ganz besonders die Darstellerin der Leine. In grünen und blauen Samt gehüllt und mit den Armen Fließbewegungen nachahmend, wird sie dabei von dem nach Wasser fragenden Fisch und einer Wasserpflanze unterstützt. Die Stimmen sind allerdings durch die Lautstärke des Publikums und durch fehlende Mikrofone fast nicht zu verstehen.
Die engagierte Truppe muss sich die Aufmerksamkeit Interaktivität sichern. Im Spiel nähern sich die Darstellerinnen immer wieder den Zuschauern, lassen einen laut bellenden Hund zum Schauspieler werden und fordern Kinder aus dem Publikum auf, sie bei ihren Tanzeinlagen zu unterstützen.
Das Stück passt zum Gesamtprogramms „Moritzberg meets Himmelsthür". Es geht um Gemeinschaft, um Begegnung und um eine gemeinsame Kultur, weniger um herausragende Kunst.