Zeiten der Rangeleien sind vorbei
Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 28.09.2009
Hildesheim (ph). Früher haben sie sich nach einem Fußballspiel auch mal gezankt auf der großen Wiese unterhalb der Fünfbogenbrücke. Jetzt finden alle den Standort toll und fragen sich, warum eigentlich keiner eher auf die Idee gekommen ist, dort gemeinsam zu feiern - Moritzberger und Himmelsthürer. Am Sonnabend war es nämlich soweit.Franz Mumme sitzt auf einem Strohballen und findet die Idee zu dem Fest gut. „Ich bin hier groß geworden", sagt der Ehren-Ortsbürgermeister von Himmelsthür, und erinnert sich: Nicht immer war Friede zwischen den benachbarten Orten. „Wenn wir auf dem Moritzberg Milch oder Brot einkaufen mussten, gab es schon mal Rangeleien." Da sei es schon eine gute Sache, gemeinsam zu feiern. Und gut sei auch, dass es Kunst und Musik gebe und „nicht nur Essen und Trinken allein".
Das sagen auch andere Festbesucher. Marianne Burgdorf ist den Weg zum Moritzberg gewandert. Denn die Veranstalter haben mit Hilfe des Technischen Hilfswerks den Weg entlang des Kupferstranges, unter der trennenden Bundesstraße 1 hindurch, begehbar gemacht.
Es gibt auch kritische Stimmen. „Die Theateraufführung ohne Mikrofon war schon etwas leise", sagt Waltraut Graetz. „Die Idee ist gut, aber es gibt zu lange Pausen im Programm", findet Peter Missalla. Nicht zufrieden mit seinem Umsatz ist Joachim Reimann, der Pizza anbietet. „Aber die Idee, eine Verbindung zu schaffen, finde ich so gut, dass ich sofort dabei war."
„Der Platz ist gut gelegen, es gibt eine tolle Atmosphäre", meint Mieke Mierzowsky, die hier als Aushilfe arbeitet.
Cesar Lugo Elias, Student in der Fachhochschule HAWK, gießt aus Zinn kleine Medaillen mit einem Motiv der Fünfbogenbrücke zur Erinnerung. Nicht alle wird er los (wer möchte, kann welche unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. nachbestellen).
„Ein Super-Platz hier", findet Stefan Könneke, Koordinator des Trägers „Rosen&Rüben". Alte Karten und Fotos stellt der Verein „Kultur und Geschichte vom Berge" aus. Vorsitzender Stefan Bölke: „Der Renner ist das große
Luftbild aus dem Jahr 1954 von der Fünfbogenbrücke. Es weckt bei vielen Besuchern Erinnerungen". Zum Beispiel an die Innerste-Insel, die es dort mal gab und bei der die Himmelsthürer ihr Flussbad hatten.
Folgt man dem Kupferstrang, kommt man zur Paaschenhalle auf dem alten Phoenix-Gelände. Dort haben Künstler ihr 30 Meter hohes Atelier. Von der Decke baumeln Skulpturen aus Schrottstücken, die man so und so deuten kann. Eine zeigt eine Banane und ein Stück Beton. Und erinnert, so eine Besucherin, „an den Mauerfall vor 20 Jahren". Harald Hammecke, einer der Künstler, zeigt sich „sehr zufrieden, es hat interessante Gespräche gegeben". Und Kreativität von Groß und Klein bei der Sammlung von Ideen für einen Skulpturenpfad.
Abends kommen Musikverein und Feuerwehr und feiern mit. Die gbg verteilt 200 Luftballons. Zuvor hat das Gymnasium eine Modenschau geliefert, die Kleider haben die Schüler mit ihrem Kunstlehrer Rolf Behme unter dem Motto „Märchen, Mythen, Monster" selbst geschneidert. Das reicht von der niedlichen Ballettratte Julia, die über den Laufsteg schwebt, bis zur giftgrün kostümierten Stephi. Die guckt mindestens genauso giftig in die Zuschauermenge. Was ist denn das? „Ich bin die böse Schwiegermutter", sagt sie und guckt nicht mehr giftig.
Zufrieden mit Resonanz und Stimmung zeigt sich der Organisator Horst Nehler. „Uns ist es gelungen, zu zeigen, dass es wenige Meter vom Moritzberg entfernt eine interessante Landschaft zu entdecken gibt."

