Bunter Salat aus Rosen und Rüben
Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 28.03.09
KREIS HILDESHEIM. Endlich vereint. Nichts hat Hildesheim so berühmt gemacht wie der 1000-jährige Rosenstock, und nichts hat Hildesheim so „reich" gemacht wie die Zuckerrübe. Doch bisher konnten die beiden nur voneinander träumen. Jetzt werden sie vereint. Nicht nur in Kochkursen der VHS zu Salat und Gemüse. Sondern in mehr als 80 Projekten, in denen rund 150 Institutionen, Vereine, Gruppen, Künstler und Bürger ihre Kreativität sprühen lassen und eine neue „Kulturzeit im Hildesheimer Land" ausrufen.
Im ersten Halbjahresprogramm, das von April bis Juli erblüht, werden Gärten und Orte inszeniert,' Messen und Märkte organisiert, Hildesheimer Wälle belebt, laden Installationen und Ausstellungen ein und erlauben Exkursionen und Kurse neue Einsichten. Die Koordination liegt in den Händen von Monika Hruschka.
„Wir üben neue Strukturen", erklärt Projektleiter Stefan Könneke bei der bunten Vorstellung des Halbjahresprogramms. Und das könnte Früchte tragen, zum Beispiel zur 1000-Jahr-Feier von St. Michael im kommenden Jahr, bei der Kulturzeit im Hildesheimer Land 2011 und dem geplanten Innersteradweg, den Könneke für 2012 anvisiert.
Auch Lothar Meyer-Mertel, Leiter der Hildesheimer Marketing-Gesellschaft, sieht in „Rosen & Rüben" keine Eintagsfliege, sondern eine Generalprobe und den finanziellen Auftakt „für das, was laufen soll in den kommenden Jahren".
Zwar hätten schon die vielen Ereignisse zwischen Stadt und Region Aufmerksamkeit verdient. Aber dass nun dieses Projekt und nicht viele andere gefördert werden, liege daran, „dass es sich nicht um eine Einzelaktivität, sondern eine gebündelte Aktion handelt". Damit könnten Strukturen und ein Instrumentarium überprüft werden, die ein Signal an Kultureinrichtungen und Partner geben, „dass die Zusammenarbeit so weiterlaufen kann", verdeutlicht Meyer-Mertel.
In einem bunten, von der HAWK gestalteten Prospekt ballen sich jetzt übersichtlich geordnet und ausführlich beschrieben die Veranstaltungen vom 1. April bis zum 1. Juli. Das beginnt mit „Die offene Gartenpforte". Einer Idee aus England, bei der wohl gehütete, fantasievoll angelegte und liebevoll gepflegte Gärten ihre Tore öffnen. Und endet mit einem „Geheimen Garten", der Musical-Produktion des Theaters für Niedersachsen, die am 1. Juli open air im Jo-Bad erblüht.
Dazwischen gibt es Märchenlesung am Hexenhaus in Gronau (26. April), ein Schlösserritt mit Pferden im Holler Land (1. Mai). Bad Salzdetfurth feiert am 30. Mai sein 1. Seerosenfest, und in Lechstedt wird tagelang der „Gartenlust" gefrönt. Der Kunstverein eröffnet am 19. Juni die „Gartenstadt" und zeigt
Kunst und urbane Gärten. Zentrale Produktion sind die „Hildesheimer Wallungen", bei der 35 Künstlergruppen vier Kirchen und die dazwischenliegenden Wallanlagen bespielen. Und zwar am 13. Juni vom Sonnenunter- bis zum Sonnenaufgang. Und weil's so schön wird, sollen am Sonntag um 11 Uhr die Gartenzwerge aus den Vorgärten freigelassen werden, um sich mit Familien beim Picknick mit Kulturprogramm im Ehrlicher-Park zu treffen. Dazwischen drängeln sich Lesungen, Vorträge und Workshops, die sich um Rosen und Rüben im weitesten Sinne ranken.
Und im zweiten Halbjahr will es die Pflanzen-Liaison noch bunter treiben. Bisher haben sich schon rund 50 Interessenten gemeldet. So soll die Innerste auf ihrem Weg durch den Landkreis zwischen Grasdorf und Luthe von Menschenmassen beleuchtet werden. In Grasdorf soll nach uraltem Rezept das „Schwarze Huhn" wiederauferstehen. Dabei handelt es sich um ein ganz spezielles Bier, das in Raabes Novelle „Die Innerste" auftaucht.
In Derneburg soll das Land zur Kunst und die Kunst zum Land werden. Und weil zu dem Termin Fledermausnacht ist, werden im Glashaus Badmanfilme gezeigt. Heinde setzt auf einen Zyklus zum Thema Apfelanbau, das Forum für Kunst und Kultur Heersum will mit der Bevölkerung die Innerste mobil machen. In Walshausen wird Raabe gelesen, und an der Fünf-Bogen-Brücke in Hildesheim soll die Feindschaft zwischen Moritzberg und Himmelsthür weggefeiert werden. Das große Abschlussfest wird zum Erntedank auf Gut Steuerwald zelebriert. Mit einer ziemlich anderen Art von Bauernmarkt.
Probleme gibt es natürlich noch mit der Finanzierung. Aber Könneke hofft auf Sponsoren und die Niedersachsenstiftung. Denn selbstverständlich ist nicht nur das Mitmachen kostenlos, sondern auch das Genießen.

