Pflanzen aus dem Märchenbuch und Kräuter für die Sinne

Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 03.04.2009

Rössing (sky). Fruchtgeranien, Schokoladenblumen oder Kräuter für die Unsterblichkeit -was klingt, wie Pflanzennamen aus einem Märchenbuch, gibt es wirklich. Zum Beispiel bei Silke Fredebold in Rössing. Sie hat sich auf wohl riechende und schmeckende Kräuter und Blumen spezialisiert. Sie dienen auch noch der Gesundheit. Zu ihren Pflanzen erzählt die Gärtnerin Silke Fredebold-Baumgarten gerne Geschichten, wenn sie einen auf einen Rundgang durch ihre Kräuter- und Blumenwelt führt. Beim Gingko zum Beispiel zitiert sie Goethes „West-östlichen Diwan". Nicht nur zwei Zeilen, sondern gleich versweise. Mit dem Theater hat die junge Frau noch mehr gemein. Marsa basgoo, die Bananenpflanze, hat der Bühnenbildnerin des ehemaligen Stadttheaters in der Shakespeare-Inszenierung „Wie es Euch gefällt" weitergeholfen, plaudert sie drauflos. Es sollten unbedingt echte Blätter sein. Da hat sie dem Theater eben zwei der wild wuchernden Stauden zur Verfügung gestellt. Winterhart ist die Pflanze, hält sich also auch im Garten, wenn man sie gut pflegt. Das Theater hat sie nicht überlebt, schließlich wurde sie ihrer Blätter für jede Aufführung neu entrupft. Das hält die beste Pflanze nicht aus.

Ihre duftenden Gewächse dienen nicht nur dem heimischen Balkon oder Garten, sie kommen beispielsweise auch Menschen in Altenheimen zugute wie in Nordstemmen, erzählt die Gärtnerin: „Bestimmte Gerüche erinnern die Menschen an Dinge aus ihrem Leben, das kann auch für Demenzkranke ganz wichtig sein."
Sinnes- statt „nur" Kräutergarten, so das Motto ihrer Pflanzenschützlinge, die sie am liebsten selber groß zieht. Nur im Winter kauft sie noch Ware im Großhandel ein. „Die Heizkosten für die Gewächshäuser sind einfach zu hoch." Sobald es Frühling wird, wird ausgesät Wer bei Geranien nur an bayerische Blumenprachtbalkone denkt, kommt in Rössing auf ganz andere Gedanken. Es gib Arten, deren Blätter nach Menthol riechen oder einen fruchtigen Geschmack haben. Oder nach Rosen duften und schmecken. Minze ist auch mit im Sortiment. Für Genießer und Feinschmecker eine Zugabe zum Experimentieren. Als Balkonpflanzen sollen einige Geranienarten sogar Mücken fernhalten.

Ganz sinnliche Genüsse verspricht Chocamocha, die Schokoladenblume. Dunkelrote Blüten treibt sie aus, die verströmen einen feinen Schokoladenduft. „Und sie machen Lust auf mehr", sagt die Gärtnerin. Das Gegenkraut hat sie auch parat: „Verpiss dich" heißt die Coleus canina im Straßendeutsch. Die Pflanze aus der Weihrauchfamilie soll vor allem Katzen fernhalten. Weiter geht der Spaziergang durch das frühlingshafte Pflanzenparadies zum Süßholz, aus dessen Wurzeln Lakritze gewonnen wird. Nicht reinbeißen, warnt Fredebold-Baumgarten: „Schmeckt ekelig." Baldrian für aufgedrehte Menschen, echte Vanille, Zitronengras oder Knobigras hat sie auch im Sortiment. Letzteres schmeckt, nach Knoblauch, verbreitet aber keinen unangenehmen Mundgeruch. Außerdem soll es sogar gegen Wühlmäuse helfen, sagt sie.

Veilchenpulver als Duftnote für die Wohnung lässt sich aus der Bart-Iris herstellen, Gin-seng verspricht Heilung und das chinesische „Kraut der Unsterblichkeit" soll sogar, als Tee aufgebrüht oder im Salat untergemischt, dem Alter mehr Würze geben können. Die Gärtnerin bietet über die Volkshochschule außerdem Kurse zur Gestaltung von „Hanging Baskets" an, eine aus England stammende spezielle Pflanzmethode, bei der die Blumen, Kakteen oder Kräuter nach Themen gepflanzt werden. Das wird sie auch während der Sommeraktion im Landkreis „Rosen und Rüben" vorstellen.