Chice Mode kann auch wasserfest sein
Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 10.08.2009
Hildesheim (ph). Mode einmal ganz anders erleben wollten die Besucher. Sie sahen interessante Mode, getragen von professionell wirkenden Models, hübsche Schuhe, gekonnte Frisuren, und das Ganze im Freibad: Pool-Fashion in der Jo-Wiese.Tessa Achtermann kennt fast jeder in Hildesheim. Die Hip-Hop-Tänzerin ist das Mädchen, das jedes Foto verwackelt, weil es einfach nicht stillsitzen kann. Am Sonnabend zeigte Tessa, wie die Mode jemanden verändern kann. Sie trat auf als verspieltes Engelchen mal mit schwarzen, mal mit weißen Flügeln, als burschikoser Typ mit selbstbewusstem Schritt - und auf einmal ganz Dame mit elegantem Kleid, die wilde Lockenmähne stilvoll aufgesteckt. Dafür verantwortlich: Sabine Herrmann („giallo"). „Ich habe ihre Frisur immer authentisch gelassen", sagt sie. Seit dem Mittag hat sie die Haare der Models frisiert, gegen Abend schaut sie sorgenvoll zum dunklen Himmel. „Zur Not machen wir einen Wet-Look daraus", scherztsie. Mit tiefer Stimme widerspricht eine andere Frau, Elke Winter. Die ist zwar ein Mann, aber das weiß nur ihr Personalausweis.
Heute ist sie/er ganz Frau, von der blonden Mähne bis zu den silbern glitzernden Pumps. Elke moderiert die experimentelle Modenschau und ist kein bisschen nervös. „Es regnet nicht! " sagt sie/er. Und während wenige Kilometer weiter in Barienrode die Welt im Wasser untergeht, stolzieren die Models über den trockenen Laufsteg, der quer überm Schwimmbecken verläuft. Die Zuschauer sind begeistert. Applaudieren den Schuhen von „Stiletto" ebenso wie den Blumen von Braukmann, der Kosmetik von Mary Cay wie den Cocktails vom Potters und den kleineren Leckereien vom „ Nil".
„So etwas gab es noch nie in Hildesheim", sagt Claudia. „Eine chice Veranstaltung, die Umgebung ist schön", findet Maik (durchaus nicht der einzige Mann hier). Gabriele, die ein Stoffgeschäft hat und sich über den Trend zum Selbernähen freut, sucht Anregungen. Cornelia, deren Mann beim „M'era Luna" ist, findet das Ambiente gut, vom Cocktail bis zur Beleuchtung. Sie ist mit ihrer Freundin Ute gekommen, die sagt: „Ich habe mich gern überreden lassen".
Hinter den Kulissen atmet eine junge Frau sichtlich auf. Olga Gress lernt Veranstaltungskauffrau, und dieses ist ihr Abschlussprojekt bei „Event Werft", den Veranstalter. Sie und ihr für Technik zuständiger Kollege Manuel Weniger strahlen, als ihr Chef Matthias Mehler ihnen und ihren 70 Kollegen bescheinigt, „Unglaubliches geleistet" zu haben.
Derweil genießen die Zuschauer die Früchte dieser präzisen Vorbereitungsarbeit. Klatschen spontan, wenn ihnen ein Modell gefällt. Es beginnt mit „Frauenzimmer", das Dessous, Bademode und Nachtbekleidung vorstellt, weiter geht es mit Eierund mit Jeans und Alltagsmode.
Nach der Pause sind Thoms Herrmann und Joana Gierga aus Harsum am Zuge. Herrmann hat Männermode kreiert. „Für den Mann, der modisch aus dem Schatten seiner Frau heraustreten möchte", sagt er. Und es ist wie immer im Leben: Ein bisschen Mut gehört dazu. Joana Gierga zeigt traumhafte Abendkleider aus schwingenden, teils durchsichtigen oder auch mehrlagigen Stoffen. Auch dies Mode, die nicht nur die langbeinigen Models tragen können. Die, alle Amateure, schweben über den Steg (Choreographie: Suzanna d'Agostino) und vor den Zuschauern hin und her.
Und zeigen ganz zum Schluss, dass Mode auch durchaus wasserfest sein kann: Mit einem elegantem Sprung ins Becken. Im Abendkleid.

