Wie ein Streifzug durchs Märchenland
Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 21.09.2009
Deilmissen (ara). "Auen-Nacht" - was sich zunächst recht verspielt anhört, könnte sich ernsthaft zum neuen Kulturfest auf dem Lande mausern. Das bunte Spektakel in Deilmissen hat in der Nacht zum Sonntag auf Anhieb hunderte Besucher mobilisiert. Die bewunderten zahlreiche Kunstfiguren wie zwei Schmetterlingsfrauen des Stelzentheaters „Waldwesen", hölzerne Skulpturen und lauter farbenfrohe Illuminationen in einem weitläufigen Garten.
„Sechs Monate haben die Vorbereitungen gedauert - und nun können wir zur Auen-Nacht einladen. Schön, dass diese Idee jetzt verwirklicht wird", sagt Jana Rozin aus Deilmissen, eine der Organisatorinnen des ländlichen Ereignisses. Die Frau ist eigentlich Sozialpädagogin, doch auch Kulturschaffende - im wahrsten Sinne des Wortes. Unterstützt wird sie von ihrem Mann Jan Kiehne. Beide gehören zu den Bewohnern des ehemaligen Bauernhofes in der Heinser Straße, der Schauplatz des Freiluft-Spektakels ist. Und das lockt die Leute zuhauf an.
Kaum legt sich die Dämmerung über das 400-Seelen-Dorf Deilmissen, ist der Garten an dem Bauernhof schon dicht bevölkert. Lange Autoschlangen parken auf einem Feld, das an den Garten angrenzt, der am Sonnabend ein Mekka der Fantasie ist. Die Besucher werden berieselt mit Räucherstäbchen und skurrilen Klängen, sie bestaunen derweil den großen Garten voller Skulpturen, Feuerstellen und Tanzplätzen -und vor allem die meterhohen Fabelwesen, die im schwindenden Licht der Abendsonne vorsichtig durchs Grün stelzen.
Schrittehen für Schrittehen bewegen sich zwei Schmetterlingsfrauen vorsichtig umher, fingern im Geäst der Obstbäume im Garten. Viele Besucher haben ihre Handys gezückt und filmen diese Performance. Die beiden Fantasiegeschöpfe stecken in kunstvoll angefertigten Kostümen. Bianca und Bianca nennen sich die Künstlerinnen aus dem Wendland, die diesmal in Deilmissen der Blickfang sind. Beide sind sorgfältig geschminkt und fesseln mit ihrer Mimik das Publikum. Wie Pantomimen bewegen sie sich, starren mal ins Leere oder scheinen etwas zu fixieren. Eine der Schmettlerlingsfrauen legt auf einmal die Hand auf die Schulter eines Mannes, der sich natürlich ein bisschen erschreckt, aber dann gleich wieder die Kamera zückt und weiter fotografiert.
25 Künstler haben ihre Stände aufgebaut. Etliche sind kostümiert, offenbar inspiriert von Filmen wie „Herr der Ringe". Märchenhafte Assoziationen sind durchaus gewollt in dem verwinkelten Garten, der sich über mehrere hundert Quadratmeter erstreckt. „Wir wollen den Menschen einen schönen spätsommerlichen Ausklang bereiten", erklärt Jana Rozin. Und genau das scheint zu gelingen - ob Feuertanz, Zirkusvorführung oder einfach nur Plaudern und Staunen: bei den Menschen kommt das kleine Festival an.
Ein weiterer Pluspunkt also im Zuge des Projektes „Rosen und Rüben", den der Kulturkreis Gronau zusammen mit dem Kunst- und Kulturprojekt (KUKT) möglich macht. Denkbar, dass die erste „Auen Nacht" nicht die erste und letzte ist. Rozin: „Der Andrang bestärkt uns, eine Neuauflage vielleicht schon im nächsten Jahr anzustreben.

