Wenn ein ganzes Dorf zur Bühne wird

Hildesheimer Allgemeine Zeitung, 14.09.2009

Heinde (uli/km). Ein ganzes Dorf auf den Beinen. In Heinde ist das schon fast nichts Besonderes mehr. Wie vor zwei Jahren bei dem Projekt „LandArbeit", ließen sich die Einwohner auch beim „Rosen & Rüben"-Programm nicht lange bitten - und machten aus ihrem ganzen Ort eine Bühne.
Schon seit dem Frühjahr finden kreisweit immer wieder einzelne Veranstaltungen im Rahmen von „Rosen & Rüben" statt. Insgesamt mehr als 80 Projekte wurden bislang von rund 150 Vereinen, Verbänden und Institutionen auf die Beine gestellt.
In Heinde fand an diesem Wochenende einer der Höhepunkte statt. Unter dem Motto „Tut mir auf die schöne Pforte" lud der Ort zu zahlreichen Aktivitäten ein. „Das Festwochenende ist eine Kombination aus barocker Gemütlichkeit und ländlicher Kultur", erklärte der Pastor der Kirchengemeinde Heinde-Listringen, Olaf Prigge. Sein Team hatte zusammen mit der Interessengemeinschaft LandArbeit ein ausgefallenes Programm zusammengestellt. „Es hat die Gemeinden rund um das Innerstetal zusammengeführt", freute sich Prigge.
Schon der Pilgergang am Freitag zog Scharen von Besuchern aus Heinde, Listringen, Lechstedt, Hockeln, Groß und
Klein Düngen zum Gut nach Walshausen. Prigge und sein Team hatten ein stimmungsvolles Pilgern organisiert. Die zum Schweigen aufgeforderten Besucher erlebten im Gutspark einen Vorleser, einen Akkordeonspieler, den Auftritt des Gemischten Chores und nach einer kurzen Andacht bei Kerzenschein ein „Streitgespräch mit tödlichem Ausgang
Zur Eröffnung des Apfelmarktes auf dem Mühlenhof kamen am Sonnabend neben Bad Salzdetfurths Bürgermeister Erich Schaper und Heindes Bürgermeisterin Lehrke auch Hans-Jürgen Driemel, Leiter des Kulturbüros des Landkreises, und Superintendent Dr. Klaus Grünwaldt aus Alfeld. Alle lobten die Veranstaltung. Die Wurzeln seien vor zwei Jahren mit dem Projekt LandArbeit gelegt worden, so Driemel. Oftmals verpuffe der Elan mit den Jahren. Doch die Heinder hätten Blut geleckt, freute sich Schaper.
Heinde habe seinen Ort und die Landschaft zur Bühne gemacht. Einst habe die Innerste die Ortschaften getrennt. Heute verbindet der Fluss die Gemeinden. Heinde sei über die Landesgrenzen hinweg in der Kulturszene ein Begriff, berichtete Hans-Jürgen Driemel stolz. Superintendent Klaus Grünwaldt bekräftigte, dass Kirche und Kultur zusammengehören. Diese Veranstaltung lege Fundamente frei, die den Alltag stabilisieren könnten.
Bürgermeisterin Bärbel Lehrke freute sich über das besondere Ambiente und dankte der Familie von Kielmansegg, die für die verschiedenen Veranstaltungsorte immer wieder Gutshof und Gutspark zur Verfügung stellt.
Doch längst nicht nur auf dem Gutsgelände gab es am Wochenende Programm. In großen Gruppen waren Hunderte von Besuchern auf Heindes Straßen unterwegs und erlebten Dorfführungen mit Überraschungen oder einen märchenhaften Spaziergang mit Hans im Glück auf der Listringer Allee. Und märchenhaft ging es auch rund um den evangelischen Kindergarten zu. Leiterin Birgit Bosenius und ihr Team hatten zu einer Rallye auf dem Grundstück des Kindergartens eingeladen. Die zahlreichen Fragen, die Groß und Klein beantworten mussten, drehten sich allesamt um Frau Holle, den gestiefelten Kater und Co. "Uns war es wichtig , ein Angebot für Eltern und Kinder zu machen", erklärt Bosenius. Und manch Mutti musste sich eingestehen, dass der Nachwuchs in Sachen Hänsel und Gretel oder Rumpelstilzchen besser Bescheid wusste.